WM so wichtig für die Menschen in Kroatien

Was seiner Heimat am Sonntag blüht? „Das wird krank, Alter“, sagt Roberto Puncec. Den Slang hat der Verteidiger aus Berlin mitgenommen. Fünf Jahre beim 1. FC Union sind nicht spurlos an ihm vorbeigegangen, vor einem Jahr hat er sich zu HNK Rijeka verabschiedet, in seine Heimat Kroatien. Was sich dort jetzt zuträgt, hat er noch nicht erlebt. „Das ganze Land ist verrückt geworden“, sagt Puncec. Und mit jeder Sekunde am Telefon steigt auch beim 26 Jahre alten Verteidiger die Erregung, wenn er über das anstehende WM-Finale redet. „Das ist Wahnsinn, in jeder Stadt in Kroatien.“

Der kroatische Wahnsinn, der Kampf, der Stolz. Roberto Puncec hat selbst 35-mal das rot-weiß karierte Trikot der Feurigen getragen, der Vatreni. In der Jugend. Viele von seinen damaligen Kollegen stehen jetzt im WM-Finale: Kramaric, Brozovic, Badelj, Vrsaljko, Rakitic, Perisic, Lovren, Vida, Bradaric. „Wir haben ein bisschen Glück gehabt mit den Gegnern. Dänemark und Russland sind nicht Brasilien und Deutschland“, erklärt Puncec einen Teil des Erfolgs. „Und wie alle gekämpft haben, das war nicht normal.“

Dreimal 30 Minuten Verlängerung, ein ganzes Spiel extra auf dem Weg ins Endspiel. Entscheidend ist aber etwas anderes, glaubt der frühere Unioner. „Wir sind so ein kleines Land. Es ist so viel Stolz dabei, für die Nationalmannschaft zu spielen. Mehr als in Deutschland.“ Die Erdogan-Affäre um Mesut Özil und Ilkay Gündogan hat er natürlich mitbekommen. „Hier steht das ganze Land hinter dir“, sagt er.

Geflohen vor dem Krieg

Auch der andere langjährige Unioner aus Kroatien, Damir Kreilach, kennt die meisten der WM-Helden aus seiner Zeit als Jugendnationalspieler, und den Trainer Zlatko Dalic. Der beförderte den damals 18-Jährigen aus der Jugend, machte ihn zum Profi. „Er ist ein ruhiger Typ, immer positiv, versteht die Jungs“, beschreibt Kreilach den Nationaltrainer, der die Mannschaft entscheidend beeinflusst hat. „Vor dieser WM war der Kopf der Spieler immer unten, jetzt immer oben.“

Der Erfolg überrascht den 29-Jährigen, der seit Februar für Real Salt Lake in den USA aufläuft, deshalb nicht. Er traut den früheren Kollegen den Titel zu. „Es bedeutet so viel für uns“, sagt er, „nach dem, was Kroatien vor 30 Jahren erlebt hat.“ In den Neunzigerjahren herrschte Krieg auf dem Balkan, die Eltern von Kreilach flohen damals aus dem umkämpften Grenzgebiet in die Küstenstadt Rijeka. „Wir wollen nur noch nach vorne schauen“, sagt Kreilach. Und deshalb ist diese Weltmeisterschaft so wichtig für seine Heimat.

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