Warum Deutschland in der Vorrunde gescheitert ist

Zum ersten Mal in der Geschichte des Fußballs ist Deutschland in der Vorrunde einer WM ausgeschieden. Zwei Tage Abstand zum Geschehen genügen nicht, um dieses Ereignis in seiner Tragweite wirklich zu ermessen. Dennoch liegen viele Gründe für das Scheitern auf der Hand.

Der Zusammenbruch kam nicht überraschend Das Scheitern in Russland hatte sich mit Zeichen angekündigt, die so groß waren, dass man sie auch vom Mond aus hätte sehen müssen. Doch alle waren blind dafür und haben auf die Kunst des Fußball-Bundestrainers und die deutsche Unverwundbarkeit in den Vorrunden der Weltmeisterschaften vertraut. Zwölf Jahre lang hatte sich Bundestrainer Joachim Löw den Luxus erlaubt, seine Mannschaft in Freundschaftskicks zuweilen wie eine Ansammlung von Clowns herumhüpfen zu lassen und Peinlichkeiten gegen Nationen wie Australien, Finnland und Norwegen ungerührt hingenommen. Wenn es ernst wurde, waren die Ergebnisse immer wieder gut. Deshalb kam niemand auf die Idee, dass fünf Testspiele ohne Sieg vor dem letzten Formcheck gegen Saudi-Arabien eine Bedeutung gehabt hätten. Immerhin war Deutschland bis zum 1:3 gegen Brasilien am 27. März in Berlin in 22 Partien hintereinander ohne Niederlage geblieben.

Gute Ergebnisse waren zu einem Problem geworden
Hinter dem Turm aus Zahlen der Unbesiegbarkeit waren sportlich und menschlich Risse im Gefüge des deutschen Teams entstanden, die niemand wahrhaben wollte. Alle wähnten sich im Besitz von Zauberkräften. Die Weltmeister von 2014 hielten sich für unverwundbar, die jungen Confed-Cup-Sieger von 2017 für auserwählt und die Trainer-Schar mit Joachim Löw für im Besitz ewiger Wahrheiten. Sie haben sich getäuscht.

Die Erfolgreichen konnten mit Kritik nicht umgehen
Viele Jahre auf der Sonnenseite des Erfolges und der öffentlichen Meinung haben Joachim Löw, sein Team und die Nationalspieler aller Resistenz gegen öffentliche Kritik beraubt. So standen sie dem Skandal um die Erdogan-Fotos der Profis Özil und Gündogan einigermaßen hilflos gegenüber. Die erwartbaren Pfiffe im letzten Test gegen Saudi-Arabien wurden zu einer Staatsaffäre, die alle ins Mark getroffen hat. Man reagierte, bedauerte, beschwichtige, versprach – aber eine gemeinsame Haltung zu dem Bilder-Vorgang, der in eine Form von Konsequenz gemündet hätte, wurde innerhalb des Deutschen Fußball-Bundes nirgendwo sichtbar. Der Versuch, die Geschichte auszusitzen, konnte nicht gelingen, zumal der an Wohlfühl-oasen gewöhnte Tross nie den Eindruck entkräften konnte, dass er sich in der eher funktionellen Umgebung des WM-Hauptquartiers von Watutinki unwohl fühlte. Dass parallel dazu der Werbefilm eines persönlichen Sponsors plastisch zeigte, wie sich der entspannte Bundestrainer seine Lebensumgebung vorstellt, machte die Sache nicht besser. Dazu kamen Löws Posing-Fotos der Lebensfreude am Strand von Sotschi. Alles komisch.

Die „Mannschaft“ war das Gegenteil einer Mannschaft
Fünf der sechs Halbzeiten, die Deutschland in Russland gespielt hat, gehörten zu den schlechtesten Leistungen aller Teams bei dieser WM. Der selbst verliehene Titel „Die Mannschaft“ führte in die Irre und wirkte am Ende wie ein Hohn. Löws Team war das Gegenteil. Das kollektive Versagen wurde aber noch überboten vom individuellen. Alle gestandenen Feldspieler lieferten die schlechtesten Leistungen ab, die man je von ihnen bei wichtigen Länderspielen gesehen hat.

Diese rein sportliche Tatsache fällt direkt und nahezu ausschließlich in den Verantwortungsbereich des Bundestrainers, dessen Fähigkeit zur Anregung der Selbstheilungskräfte seines Teams vor großen Turnieren ihn diesmal im Stich gelassen hat. Auch dafür gab es sichtbare Ursachen.

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