Manuel Neuer kämpft gegen die Zeit
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Manuel Neuer kämpft gegen die Zeit

• Bundestrainer Joachim Löw hofft, dass Nationaltorhüter Manuel Neuer rechtzeitig zur WM fit wird.

• „Der Manu liegt absolut im Fahrplan“, verbreitet Löw Optimismus.

• Er hat aber auch viel Lob für Neuers Stellvertreter Marc-André ter Stegen übrig.

Die Nachfrage musste kommen, nach dieser Vorrede. Drei Monate vor der Fußball-WM umriss Joachim Löw an diesem Donnerstag in Düsseldorf das Anforderungsprofil für die Spieler, die er im Sommer mit nach Russland nehmen wird. „Körperlich und mental gerüstet“ müssten diese sein, und vor allem bereit, „nach einer anstrengenden Saison eine Top-Leistung abzurufen“. Von diesem Schlag brauche der Bundestrainer im Juni nicht 18 oder 19 Nationalspieler, sondern 23.

Eben einen ganzen Kader voll. Und Manuel Neuer? Der hat keine anstrengende Saison hinter sich, sondern quasi gar keine. Seit Herbst ist der Nationaltorhüter durchgehend verletzt, anstrengend wurde es für Neuer höchstens in der Rehabilitation. Es steht in Frage, ob er nach seinem dritten Mittelfußbruch beim FC Bayern in dieser Spielzeit noch auf dem Platz stehen wird. Zuletzt hatte Oliver Kahn, Neuers Vorgänger als langjährige Nummer eins, die Zweifel genährt. Eine „prekäre Situation“, attestierte Kahn.

Eine Freikarte für Russland erhält Neuer nicht
Nicht nur für Neuer, auch für den Bundestrainer. Löw vertritt den Grundsatz, dass er so viele gute Spieler im erweiterten Nationalkader hat, dass er keinem verletzten oder halbfitten Profi einen Platz freihalten muss. Neuer hat im Kreise der Nationalmannschaft große Verdienste erworben, war beim WM-Titelgewinn 2014 in Brasilien ein starker Rückhalt. Aber eine Freikarte für die WM 2018 erhält er dafür nicht.

„Wenn ein Spieler in der Vorbereitung überhaupt keine Rolle spielen kann, ist es schwerig, ihn zu nominieren“, stellte Löw jetzt klar. Damit malte er noch einmal ein Fragezeichen hinter diese Personalie. Am Freitag gegen Spanien wird Neuers „Kronprinz“ Marc-André ter Stegen im Tor stehen, der Keeper des FC Barcelona hat längst bewiesen, dass auch er bei der WM eine sichere Nummer eins abgeben würde.

Löw ließ durchblicken, dass er wenig Bauchgrimmen hätte, mit ter Stegen ins große Turnier zu gehen. „Der Marc hat sich in der Nationalmannschaft sehr gut entwickelt“, sagte Löw. Dann lobte er ter Stegens Rolle beim Confed Cup („überragend“), seine Ruhe und Gelassenheit im Tor, seine gute Ausstrahlung. Anfangs hätte sich ter Stegen in der Nationalmannschaft einige Wackler erlaubt, „da hatte ich Probleme“, bekräftigte auch ter Stegen selbst.

Doch der Torwart habe einen Reifeprozess durchlebt. „Er ist eine Persönlichkeit geworden, die in der Mannschaft ein sehr gutes Standing hat“, sagte Löw. „Quasi ein elfter Feldspieler“, lobt auch Toni Kroos seinen Teamkollegen. Es waren Sätze, die beide genauso über Manuel Neuer hätten sagen können.

Löw machte trotzdem klar, dass Neuer – sofern er rechtzeitig fit wird – seine Nominierung sicher habe. Die Ärzte hätten ihm versichert, dass Neuer „absolut im Fahrplan“ liege; leistungsmäßig sei er bei 90 Prozent angelangt, in dieser Woche soll die Belastung auf 100 Prozent gesteigert werden. Es gilt wohl: Kommt Neuer in dieser Saison beim FC Bayern noch einmal zum Einsatz, dürfte er mit nach Russland fahren. Andernfalls wird es schwer für ihn. sz.de

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